Lieblingsalben der 00er
Hmm… Was haben uns die 00er gebracht? Vorwiegend Spezialisierungen in unendlich viele Genres. Indie wurde zum eigentlichen Mainstream, der Nu Metal hatte sich glücklicherweise schnell wieder erledigt. Vieles wurde ausprobiert und gehyped, aber bei weitem nicht alles war auch gut. Dazu jede Menge elektronische Beats, Stilverschmelzungen und billigster Plastik Pop für den schnellen Euro – farblose „Stars“ und Sternchen, die bald wieder in der Versenkung verschwanden.
Bleibendes? Gab es auch. Ich habe hier mal versucht, meine Top 30 zu erstellen, die in etwa dieser Form Bestand haben dürften.
Coldplay goes U2: Für einige Fans das „schlechteste“ Coldplay-Album und auch bei der Band selbst inzwischen weniger beliebt, katapultieren sich die vier Briten mit diesem Werk in die vierte Dimension. Die Songs von den Schattenseiten des Lebens geben uns stets Anlass zur Hoffnung. Hymnisch schwelgen Chris Martin und Kollegen durch das Pop-Rock-Universum und schaffen Songs für die Ewigkeit: „What If“, „Fix You“, „Talk“ oder „Kingdom Come“ zählen für mich zu den besten Stücken des noch jungen Jahrtausends.
2. Pet Shop Boys – Yes (2009)
Ich wiederhole mich gerne: Damit war kaum noch zu rechen. Neil Tennant und Chris Lowe verleihen ihren Songs mit freundlicher Unterstützung des Produzenten-Teams „Xenomania“ noch einmal den ganz großen Glanz. Bis auf „Legacy“ am Ende enthält Yes nur Hits und lässt die Herzen der Fans höher schlagen. Die beste PSB-Platte seit Ewigkeiten, auf einem Level mit „Actually“ und „Behaviour“. Cool, erfrischend und nahezu perfekt. Ganz klar Pop at it’s best!
3. Bruce Springsteen – Magic (2007)
Der Boss zeigt noch einmal, wo es langgeht: Natürlich waren „The Rising“ oder „Devils & Dust“ keine schlechten Platten, aber hier passt einfach alles. Magic rockt, pulsiert, berührt, und das von Anfang bis Ende. Es gibt faktisch kaum einen besseren LP-Opener als „Radio Nowhere“, danach brennt Springsteen mit seiner E-Street-Band ein wahres Rock-Feuerwerk ab. Einziger Wehrmutstropfen bleibt die merkwürdig „supppige“ Produktion des ansonsten so treffsicheren Brendan O’Brien.
4. The Killers – Sam’s Town (2006)
Da war es, das Indie-Pop-Rock-Spektakel: Bombastisch, extrovertiert, mutig und nahe an der Grenze zum Kitsch. Aber die Hits zünden und eine der besten Bands der 00er erobert vollkommen zu Recht die Welt.
5. Robert Forster – The Evangelist (2008)
Anrührend: Robert Forster stellt nach dem Tod seines Go Betweens-Bandkollegen Grant McLennan die hinterlassenen Songs fertig und komplettiert das Album mit schier unglaublichen Solostücken.
6. Shout Out Louds – Our Ill Wills (2007)
Die quirligen Schweden spielen munter drauflos und zeigen eindrucksvoll, wie leichtfüßig und hochwertig Indie-Pop klingen kann. Melodien im Überfluss!
7. The Shins – Wincing The Night Away (2007)
Es dauert ein wenig, aber dann setzt sich Wincing The Night Away wie Blei im Gehörgang fest. Ein wunderschönes Album voller Emotionen und Atmosphäre.
8. Ryan Adams – Cold Roses (2005)
Eindeutig Adams’ kreativer Höhepunkt: Ein monumentales Country-Rock-Doppelalbum mit insgesamt 18 Songs – ohne Ausfall. Danach beginnt leider die kreative Selbstzerfleischung…
9. Snow Patrol – Final Straw (2003)
Snow Patrol ergreifen den “letzten Strohhalm” und schreiben mit “Run” eines der schönsten und ergreifendsten Lieder der Dekade. Aber auch die anderen Songs funktionieren!
Beck zieht sich nach zerbrochener Liebe in die amerikanischen Berge zurück und spielt in nur einer Woche zusammen mit Producer Nigel Godrich ein traumhaft schönes Songwriter-Album voller Melancholie ein.
11. Per Gessle – Mazarin (2003)
Das erfolgreichste Album in Schweden aller Zeiten: Unnachahmlich reiht Gessle einen Höheüunkt an den nächsten und schafft eine eindrucksvolle Songwriter-Pop-Platte in seiner Muttersprache.
12. Simple Minds – Graffiti Soul (2009)
Nach “Black And White 050505” nochmals einen draufgesetzt: Graffiti Soul ist das stärkste SM-Album seit 15 Jahren und ein weiterer Beleg dafür, dass die einfachen Songs meist die besten, aber auch die schwierigsten sind.
13. New Order – Waiting For The Sirens’ Call (2005)
Das letzte Lebenszeichen der Indie-Elektro-Pioniere aus Manchester: Auch fünf Jahre nach Veröffentlichung klingt Sirens’ Call noch schick.
14. Pet Shop Boys – Release (2002)
Sträflich unterschätzt, vereint dieses zunächst unscheinbare Album sämtliche Stärken der Pet Shop Boys – diesmal sogar mit Gitarre!
15. The Cure – Bloodflowers (2000)
Das war’s dann wohl: In dieser majestätischen Qualität werden wir Robert Smith & Co. sicher nicht mehr zu hören bekommen – kraftvoll, zerrissen, opulent und magisch!
16. Thom Yorke – The Eraser (2006)
Yorke’s Soloausflug beinhaltet eine eigenwillige Mixtur aus experimentellem Pop, Rock, Minimal und Songwriter-Folk und fasziniert damals wie heute.
17. Snow Patrol – Eyes Open (2006)
Mit “Chasing Cars” knacken Gary Lightbody und seine Mitstreiter sogar Amerika. Eyes Open verkauft sich über fünf Mio. Mal und enthält mit “Set The Fire To The Third Bar” ein neuerliches Manifest.
18. Keane – Hopes And Fears (2004)
Eben ein Album voller Angst und Hoffnung – Gänsehautmomente garantiert.
19. Simple Minds – Black & White 050505 (2005)
Sie waren eigentlich schon abgeschrieben, doch die Simple Minds feiern mit Black And White eine fulminante Rückkehr zu alter Form.
20. The Go-Betweens – The Friends Of Rachel Worth (2000)
Das Comeback nach zehn Jahren Trennung zeigt deutlich, dass Forster und McLennan sich als Songwriter-Team perfekt ergänzten.
21. Peter Gabriel – Up (2002)
Zunächst verwirrend, wächst Gabriels dusteres und reflektierendes Up stetig. Nicht alles glänzt golden, aber der Großteil der Songs entwickelt mit der Zeit einen ungeheuren Tiefgang.
22. The Strokes – Is This It (2001)
Ja, ich finde die Platte auch gut – aber nicht sooooooo gut, wie ich sie gemäß Fachpresse wohl finden müsste. Das Niveau dieses Debuts konnten die Strokes nicht halten, obwohl “Room On Fire” (2003) noch ganz gut ins Ohr ging.
23. The Dandy Warhols – Welcome To The Monkey House (2003)
Locker und keksig: Die Dandy Warhols zaubern wunderbare Melodien und Sphären auf ihr “Bananen-Album”.
24. U2 – All That You Can’t Leave Behind (2000)
Das wohl beste U2 Tribute-Album ever
Nach dem enttäuschenden “Pop” die gelungene Rückbesinnung auf die eigenen Stärken. “Beautiful Day” ist der “Uplifter” schlechthin.
25. Chickenfoot – Chickenfoot (2009)
Die Hardrock-Überraschung des vergangenen Jahres wird auch weiterhin den Weg in meinen CD-Player finden.
26. The Cardigans – Long Gone Before Daylight (2003)
Ein schlichtweg wundervolles Album der bezaubernden Nina Persson und ihrer Band – testet “For What It’s Worth” oder “You’re The Storm”.
27. Arcade Fire – Funeral (2005)
Funeral war und ist immer noch groß- und einzigartig!
28. Bloc Party – Silent Alarm (2005)
Ein seinerzeit mehr als überraschender Paukenschlag, den die Briten wohl nicht mehr toppen können.
29. The Mary Onettes – The Mary Onettes (2007)
Ein wunderschönes und leider fast gänzlich unbemerktes Debut der Schweden, aus dem das atemberaubende “Slow” nochmals besonders herausragt.
30 a) The Killers – Day & Age (2008)
Ich persönlich bin ein Fan des neuen Stils der Killers. Mal sehen, wohin die musikalische Reise noch führen wird…
30 b) Radiohead – Kid A (2000)
Ich arbeitete damals in London bei Virgin Piccadilly, als diese verstörende Platte erschien. Kaum jemand wusste sie zunächst einzuordnen, erwarteten doch alle ein 2. “OK Computer”. Zehn Jahre später ist Kid A nahezu unantastbar, avantgardistisch kühl und elektrisierend.
30 c) Guns N’ Roses – Chinese Democracy (2008)
Hey, die Platte ist besser als ihr Ruf – Let there be Rock!!






Peter Gabriel, Ryan Adams und Keane (obwohl ich das 2te Album viel besser fand) mochte ich auch sehr gern. Ich überlege noch, ob ich eine 00er Liste aufstelle. Schwere Sache.
Hör mal in den neuen Full Moon Podcast von PG rein, da gibts Ausschnitte aus dem neuen Album.
http://www.petergabriel.com/news/
Das Cover von Arcade Fire ist der Hammer. Klingt nach ner alten Genesis Aufnahme (wie vieles auf der CD).
Ich finde, die Liste hat durchaus ihren Reiz. Auch wenn ich das Soloalbum von Herrn Yorke nicht über die Radiohead-Scheiben stellen würde. Eben mal eine Liste, die nicht krampfhaft MGMT und ähnlichen Indie-Kram aufnimmt. Den einzig wirklich empörten Einspruch würde ich – so komisch es für mich als Singer-Songwriter-Fetischist klingen mag – bei Ryan Adams einlegen.